Unser neuer Torhüter im Interview

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10.07.2026

„Es war eine leichte Entscheidung“

Mit Jack LaFontaine haben die Eisbären ihren zweiten neuen Torhüter präsentiert. Der Schlussmann wechselt von den Kansas City Mavericks zum Hauptstadtclub. Das angedachte Kurz-Interview entwickelte sich zu einem längeren Gespräch, in dem der Kanadier über seine Pläne, sich als Spieler und Person spricht.

  • Jack, vielen Dank für deine Zeit. Wo erreichen wir dich gerade?

Meine Frau und ich sind aktuell in Nova Scotia im Osten Kanadas. Hier wird am Samstag unsere Hochzeit stattfinden.

  • Wie stressig sind denn Hochzeitsvorbereitungen?

Das ist alles in Ordnung. Ich kann mich hier auf meine Frau verlassen. Sie hat alles im Griff, ich muss die Sachen nur umhertragen. (lacht)

  • Kommt deine Frau mit dir nach Berlin?

Ja, sie kommt mit und freut sich auch schon riesig. Ihre Vorfreude ist wahrscheinlich sogar noch größer als meine. Sie sucht bereits Cafés und Restaurants raus, in die wir gehen können. Sie hat auch schon die 50 beste Dinge gegoogelt, die man unbedingt in Berlin machen soll. Wir freuen uns sehr.

  • Warum hast du dich für deinen ersten Wechsel nach Europa entschieden und was hat schlussendlich den Ausschlag für die Eisbären gegeben?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zuerst einmal war das Timing für mich und meine Frau richtig. Wir sind beide bereit für den nächsten Schritt in unserem Leben. Dann war ich auch bereit für die nächste Herausforderung in meiner Hockeykarriere. Europa schwebte schon immer in meinem Kopf herum und ich wollte immer einmal dort Hockey spielen und meine Fähigkeiten austesten. Jetzt wartet eine spannende Aufgabe auf mich. Die Eisbären-Organisation und die Stadt Berlin sprechen für sich. Gibt es einen besseren Standort, um meine Europa-Laufbahn zu starten? Als ich den Anruf bekam, war es eine einfache Entscheidung.

  • Warst du schon einmal in Berlin, oder in Deutschland?

Nein, noch nie. In Europa war ich bereits in Italien in Florenz, Rom und Mailand. Dann war ich noch in Kroatien und Portugal. In Deutschland war ich aber noch nie. 

  • Hast du denn schon einmal auf dem größeren europäischen Eis gespielt?

Ja, an der University of Minnesota hatten wir die größere Eisfläche. Dort habe ich drei Jahre lang auf dem europäischen Eis gespielt, sodass mir die größere Eisfläche nicht fremd ist.

  • Beeinflusst die größere Eisfläche auch das Spiel eines Torhüters?

Ja, absolut. Durch die größere Eisfläche verändern sich die Winkel, die dann dein eigenes Spiel beeinflussen. Darüber habe ich auch schon mit Sebastian Elwing (Anm. d. Red.: Torhütertrainer der Eisbären) ausgetauscht. Wir haben darüber gesprochen, dass ich mich ein wenig anpassen muss. Das bereitet mir aber keine schlaflosen Nächte, es werden nur ein paar kleine Feinjustierungen nötig sein.

  • Wie würdest du deinen Stil als Goalie beschreiben?

Ich würde sagen, dass ich das Spiel gut lesen kann und reaktionsstark bin. Ich bin athletisch und mag den Wettbewerb. Ich verlasse mich auf meine Athletik und meine Einsatzbereitschaft. Gleichzeitig habe ich aber auch die Fähigkeit, die Ruhe zu bewahren.

  • Eishockeytorhüter werden oft als verrückt beschrieben. Würdest du das bestätigen?

Ich sage immer, man muss nicht verrückt sein, um im Tor zu spielen. Es hilft aber dabei. (lacht) Ich würde mich jedoch nicht als verrückt beschreiben. Ich habe aber meine eigenen Ticks und Aberglauben, denen ich folge. Der ein oder andere findet das sicherlich komisch, so bin ich aber einfach.

  • Stichwort „Aberglaube“. Hast du bestimmte Abläufe am Spieltag, oder in der Kabine?

Ich würde es nicht abergläubisch nennen. Es geht eher darum, seine eigenen Routinen zu haben. Ich habe in meinen Profilaufbahn gewisse Abläufe und Prozesse entwickelt, die mir helfen, auf dem gewünschten Level zu spielen. Sei es beispielsweise Meditation, oder Visualisierung. Diese Prozesse helfen mir, mein Spielniveau zu erreichen.

  • Bei einem Goalie kann jede Aktion spielentscheidend sein. Wie gehst du mit diesem Druck um?

Ich sehe das eher als Privileg. Ich sehne mich nach Druck. Er hilft mir, meine Bestleistung abzurufen. So sehr es nach einem Klischee klingt. Nerven und Druck ziehen meinen Fokus weiter zusammen und ich brauche sie. Das war auch der ursprüngliche Grund, warum ich Torhüter wurde. Jeder Save kann den Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage ausmachen. Ich möchte meinem Team helfen, den angestrebten Sieg einzufahren. Am Ende des Tages geht es um die Wahrnehmung. Man kann sich vor etwas fürchten, oder sich darauf abstützen und Spaß haben. Ich liebe die Möglichkeit, in einem Umfeld mit hohen Ansprüchen zu sein.

  • Was für ein Typ bist du? Eher introvertiert, oder extrovertiert?

Ich würde mich als extrovertiert beschreiben. Ich bin jemand, der sehr aufgeschlossen ist und sich gerne unterhält. Mir gefällt die Kameradschaft innerhalb eines Teams. Das sind für mich die tollsten Aspekte des Hockeys. Über 20 Spieler verfolgen das gleiche Ziel. Ich werde über in wenigen Wochen 20 neue Personen verschiedener Nationalitäten kennenlernen. Das ist supercool. Als extrovertierte Person freue ich mich darauf, alle zu treffen.

  • Gibt es denn etwas, das dich verrückt macht?

Ich bin ein Ordnungsfreak. Ich mag es nicht, wenn meine Wäsche nicht sauber gefaltet, oder mein Spind nicht ordentlich eingeräumt ist. Ich mag einen sauberen Arbeitsplatz, an dem alles akkurat ist.

  • Kennst du bereits jemanden aus der Mannschaft und hattet ihr schon Kontakt?

Mitch Reinke und ich haben zusammen bei Coachella in der AHL gespielt. Ich hatte vor dem Wechsel aber keinen Kontakt zu ihm. Ihr habt zu dieser Zeit gerade im Finale gespielt. Da wollte ich ihn nicht nerven. Ich habe aber mit mehreren Bekannten gesprochen, die schon in der PENNY DEL gespielt haben, oder noch aktiv sind. Alle haben dasselbe gesagt. Die Eisbären sind eine der besten Organisationen Europas. Nicht nur in der DEL, sondern in ganz Europa. Mit eurem ehemaligen Stürmer PC Labrie habe ich auch zusammengespielt. Er ist ein großartiger Typ. Ty Ronning hat mich am Abend nach der Verkündung meines Wechsels direkt kontaktiert. Er hat mich im Team willkommen geheißen und mir seine Hilfe angeboten. Das sind die Kleinigkeiten, die so viel über die Kultur bei den Eisbären und innerhalb des Teams verraten.

  • Mit Ryan Jones wechselt auch einer deiner ehemaligen Teamkollegen nach Nürnberg. Hattet ihr schon Kontakt?

Ja, das hatten wir. Ryan und ich haben über drei Jahre in Nordamerika zusammengespielt. Er ist ein phänomenaler Mensch. Ich weiß, dass auch er immer einmal in Europa, vor allem in Deutschland, spielen wollte. Wir haben ständig Witze gemacht, dass wir gegeneinander spielen werden.

  • Hattest du sonst schon Kontakt mit den Trainern?

Wie gesagt hatte ich schon Kontakt mit Elle. Ich habe aber auch schon mit Éric Dubois gesprochen. Wir hatten ein tolles Telefonat.

  • Mit den Kansas City Mavericks musstet ihr euch im Finale um den Kelly Cup leider knapp geschlagen geben. Wie sehr ärgert dich diese Niederlage noch?

Einerseits ärgert mich diese Niederlage immer noch sehr, andererseits ist mein Herz auch gebrochen. Man kämpft sich durch eine gesamte Saison, ist so dicht vor dem großen Ziel und verpasst dieses dann doch knapp. Das verursacht den Schmerz. Im Leben sollte man niemals etwas bereuen. Es ist aber schwer, über die kleinen Fehler, die einem in diesen Spielen unterliefen, nicht mehr nachzudenken. Hier geht es in erster Linie nicht um sich selbst, sondern um die Mitspieler, die Trainer und vor allem die Fans. Alle wollten unbedingt die Meisterschaft gewinnen. So läuft es aber leider manchmal im Leben und im Sport. Man bekommt nicht immer alles, was man sich wünscht. Dieser Umstand motiviert mich aber noch mehr für die bevorstehende Saison. Ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben.

  • In Kansas City hattet ihr in den Playoffs die ungewöhnliche Situation, dass ihr nach jedem Spiel den Goalie getauscht habt. Wie kam es dazu?

Mein Goalie-Partner Dylan Wells stand in der AHL bei den Tucson Roadrunners unter Vertrag. Ich hatte ja einen Vertrag mit Coachella. Beide Organisationen wollten, dass ihr Torhüter zum Einsatz kommt. Dylan und ich sind sehr enge Freunde, ich kennen ihn seit ich 15 Jahre alt bin. Wir waren uns beide einig, dass wir mit der Entscheidung des Trainers einverstanden sein werden. Egal, wie diese ausschauen wird. Wir werden unsere Egos hintenanstellen und der bestmögliche Teamkollege und Goalie sein. Die Meisterschaft war das ultimative Ziel. Diese Situation war sehr ungewöhnlich, aber die gesamte Mannschaft war bereit, Spielzeit und alles weitere zu opfern, um zu gewinnen. Dylan und ich sind unglaublich enge Freunde, wir waren ein großartiges Team, haben uns gegenseitig motiviert und über die Erfolge des jeweils anderen gefreut.

  • Man kann dich also durchaus als Teamplayer beschreiben?

Definitiv zu 100 %! Der Erfolg steht über allem, egal was es kostet. Manchmal bedeutet das, ein guter Teamkamerad zu sein und die anderen zu unterstützen und anzufeuern.

  • Durch euren langen Playoff-Lauf und die bevorstehende Hochzeit hast du eine kurze Sommerpause. Wie gehst du damit um?

Ich bin Hockeyspieler. (lacht) Je kürzer die Sommerpause ist, desto besser. Ich möchte im April nicht auf dem Golfplatz stehen und den anderen im Juni bei den Spielen um die Meisterschaft zuschauen. Das würde bedeuten, dass ich meinen Job nicht bestmöglich erledigt habe. Und ich liebe das Spiel einfach. Ich liebe es, ein Torhüter zu sein. So sehr man die physische und mentale Erholung braucht, fällt es mir schwer, jetzt schon meine Vorfreude auf die kommende Saison zu verbergen.

  • Gibt es ein bestimmtes Spiel deiner Karriere, an das du dich besonders erinnerst?

Auch wenn das Ergebnis nicht gut war, muss ich mein NHL-Debüt nennen. Es war ein besonderer Moment. Nicht nur für mich, sondern für meine gesamte Familie. Die harte Arbeit jedes Einzelnen wurde belohnt. Meine Eltern haben mich früher immer morgens um 7 Uhr zwei bis drei Stunden zum Training gefahren. Man hat gesehen, dass sich diese Strapazen ausgezahlt haben und man die Möglichkeit bekam, mit den besten Spielern der Welt zu spielen.

  • Wie war es für dich damals, als Student den Anruf der Hurricanes zu bekommen und dass du direkt spielen sollst?

Das war einzigartig. Ich war definitiv überrascht. Es war aber eine gute Lektion für mich, immer bereit zu sein. Erwarte immer das Unvorhersehbare. Ich wusste sofort, es wird eine einmalige Gelegenheit im Leben. Wenn man darauf zurückschaut, bin ich froh, was ich gemacht habe und ich bereue nichts. Die Situation war auf jeden Fall einmalig und wird so wahrscheinlich nicht noch einmal passieren. Ich war sehr dankbar über diesen Anruf der Canes. Jason Muzzatti (Anm. d. Red.: Muzzatti spielte 1998/99 7 Spiele für die Eisbären Berlin), der damalige Goalie Development Coach der Hurricanes, hat mir sehr geholfen.

  • Hast du Vorbilder?

Mein Vater ist mein größtes Vorbild. Er arbeitet sehr hart, ist sehr intelligent und ehrhaft. Auch wenn es nach einem klassischen Klischee klingt, schaue ich zu ihm auf. Ich hoffe, dass ich nur halb so werde, wie er. Ich liebe ihn und vertraue ihm.  

  • Hast du einen Spitznamen, wie haben dich deine Teamkameraden immer genannt? 

Ich werde von allen Laffer genannt.

  • Hast du über deine neue Goaliemaske nachgedacht?

Nein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich lasse mich gerne inspirieren und bin offen für Ideen. Die Hinterkopfplatte meiner Masken designe ich aber immer selbst.

  • Eine letzte Frage noch. Warum hast du dich für die Rückennummer 45 entschieden?

Die Nummer 45 ist eine besondere Nummer für mich. Wie erwähnt ist mein Vater mein größtes Vorbild. Er spielte früher American Football und hatte immer die Nummer 45. Auf diese Weise möchte ich meinen Respekt ihm gegenüber zeigen. Ich möchte so allen danken, die so viel für mich geopfert haben.

Noch einmal vielen Dank für deine Zeit. Wir wünschen dir einen schönen Rest-Sommer und alles Gute für eure Hochzeit.  

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