Abschlussinterview zum Development Camp 26

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13.06.2026

„Eine aufregende Zeit, die ich nie vergessen werde“

Die letzten Tage standen im Sportforum Berlin im Zeichen des Nachwuchses. Über 30 Talente aus dem In- und Ausland standen beim Warrior Development Camp auf dem Eis und trainierten mit dem Trainerteam der LA Kings aus der NHL. Mittendrin war auch Eisbären-Stürmer Yannick Veilleux. Im Interview blickt der Kanadier zurück auf seine Zeit rund um den NHL-Draft und erzählt, wie es zu dieser ungewöhnlichen Aufgabe kam.

  • Yannick, wie geht’s es dir und wie hast du die letzten Wochen verbracht?

Danke, mir geht es sehr gut. Ich habe die letzten Wochen hier in Berlin mit meiner Familie verbracht.  Meine Kinder gehen in Berlin zur Schule, da können wir natürlich nicht einfach wegfahren. Meine Frau war einige Zeit im Urlaub, da war ich mit meinen Jungs alleine. Nach dem Gewinn der Meisterschaft stand eine Woche mit verschiedenen Feierlichkeiten auf dem Programm. Danach bin ich aber zu den gewohnten Abläufen übergegangen und habe wieder trainiert.  Während der Schulferien werden wir dann auch für knapp drei Wochen nach Kanada fliegen. Wir werden zuerst die Familie meiner Frau besuchen. Dann haben wir einen kleinen Roadtrip geplant und werden Zeit mit Patrice Cormiers Familie verbringen. In der letzten Woche besuchen wir dann noch meine Familie.

  • Du bist also immer noch mit Patrice Cormier in Kontakt?

Ja, seitdem wir zusammengespielt haben, sind wir in Kontakt. Er war ein großartiger Teamkollege.  

  • Diese Woche lief im Sportforum das Warrior Development Camp. Du bist hier mit den Trainern der LA Kings mit auf dem Eis? Wie kam es dazu?

Ich habe zwar noch ein paar Jahre vor mir, ich mache mir aber bereits Gedanken über die Zeit nach der aktiven Laufbahn. Daher habe ich Stéphane Richer vor ein paar Wochen gefragt, ob ich beim Camp mithelfen kann. Ich möchte einfach wie eine Fliege an der Wand sein und möglichst viel mitbekommen. Das Trainerteam der LA Kings aus der NHL hat sehr viel Ahnung, vor allem in der Entwicklungs-Abteilung steckt sehr viel Wissen. Ich möchte gerne nach der Karriere weiterhin im Hockey arbeiten. Ob als Trainer, Development Coach oder in anderer Form, weiß ich noch nicht. Daher wollte ich mir gerne einmal diese Seite des Geschäfts anschauen und es ist bisher großartig.  

  • Du wurdest als junger Spieler auch gedraftet. Kannst du dich daher in die aktuelle Gefühlswelt der Nachwuchsspieler hineinversetzen?

Ja, das kann ich ganz gut. Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit. Es fühlt sich immer noch an, als wäre es letztes Jahr gewesen. Es war eine aufregende Zeit, die ich nie vergessen werde. Das habe ich den Jungs auch erzählt und ihnen gesagt, dass sie mich jederzeit fragen können. Gedraftet zu werden ist aber ehrlicherweise die eine Sache. Wenn man größer wird, realisiert man, dass es danach weitergeht. Man arbeitet unglaublich hart für den Draft. Am Ende des Tages ist es aber nur ein kleines Teilchen des Ganzen. Das ist auch etwas, was die Nachwuchsspieler hier von den Coaches lernen.  

  • Du warst damals dann sicher auch beim Development Camp in St. Louis, oder? Wie war es damals?

Ja, ich war nach dem Draft auch beim Development Camp. Es ähnelte unserem Camp hier. Wobei die Verantwortlichen der St. Louis Blues keine großen Fans davon waren, dass die Spieler im Sommer aufs Eis gehen. In den ersten Jahren waren wir also vermehrt im Gym und haben viel Videostudium gemacht. Natürlich hat sich vieles im Laufe der Jahre weiterentwickelt und werden nun anderes gelehrt. Im Großen und Ganzen ist es aber ähnlich geblieben.  

  • Worauf achtet ihr in den Einheiten am meisten? 

In den ersten Tagen waren die Stürmer und Verteidiger in eigenen Gruppen. Der Fokus der einzelnen Einheiten hat sich in den Tagen immer geändert. Die Trainer möchten sehen, wie die Jungs das Erlernte danach dann in ihr Spiel miteinbeziehen können. 

  • Wie viel Spaß macht dir die Arbeit mit jungen Spielern?

Ja, es macht sehr viel Spaß und ist erfrischend. Wie gesagt, möchte ich wie eine Fliege an der Wand sein. Ich beobachte die Spieler, schaue mir aber auch die Trainer sehr genau an. Wie sie sich verhalten und was sie machen. Ich gebe sehr gerne Hinweise und helfe den jungen Spielern. Ich möchte aber in dieser Woche auch selbst von den Trainern der LA Kings lernen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Woche war, welche Energie sie haben, wie sie sich verhalten und wie sie mit den Spielern sprechen.  

  • Wie ist dein Eindruck von den Spielern? Hast du ein großes Talent entdeckt, ist dir jemand besonders aufgefallen?

Sie sind alle sehr gut und wissen, was sie machen. Ich habe sie ja nicht über einen längeren Zeitraum beobachten können. Da ist es schwer, ein Urteil zu fällen. Die Spielweise des einen oder anderen gefällt einem aber schon. Die Trainer der LA Kings lassen sich nicht allzu sehr in die Karten schauen, wer potenzielle Draftpicks sind. Unsere Berliner Jungs haben sich auch sehr gut präsentiert. Die Erfahrung, hier mittrainiert zu haben, ist gewaltig für sie. Sie haben jetzt eine Art Maßstab, wo sie in ihrer Entwicklung stehen. Sie wissen nun, wo sie sich noch verbessern müssen. Ich denke, sie werden sich alle durch diese Woche steigern.    

  • Welche Tipps hast du für Nachwuchsspieler?

Genießt den Prozess und habt Spaß. Das ist das Wichtigste.

  • Hast du eine bestimmte Aufgabe von den Kings-Trainern bekommen?

Ich hatte keine explizite Aufgabe, die haben sich immer ergeben. Ich wurde beispielsweise während der Trainings gebeten, den Jungs meine Sichtweise bestimmter Situationen zu erklären. Sie haben dann die Spieler beobachtet, wie sie darauf reagierten. Das hat mir gefallen. 

  • Wie würdest du die Tage des Camps bewerten?

Auf jeden Fall sehr gut. Für mich war es eine tolle Chance mit den Kings-Trainern zu arbeiten. Es war eine sehr leichte Entscheidung für mich und ich hatte sehr viel Spaß. 

  • Würdest du jungen europäischen Spielern immer empfehlen, nach Nordamerika zu gehen? 

Das ist eine schwere Frage. Es gibt großartige Ligen in Europa. Wenn sich aber die Chance bietet, sollte man sie ergreifen. Die Mentalität ist in Nordamerika komplett anders und die europäischen Ligen heißen dich immer wieder willkommen. Nachdem man in Nordamerika war, lernt man auch noch einmal viel mehr zu schätzen, was man in Europa hat. Der mentale Part ist in Nordamerika viel größer. Du kämpfst gegen deine eigenen Mitspieler, um es in die NHL zu schaffen. Sobald du es dorthin geschafft hast, musst du jeden einzelnen Tag kämpfen, um deinen Platz zu behalten. Auch in Europa ist der interne Wettbewerb sehr hoch, der mentale Part ist aber nicht mit dem in Nordamerika zu vergleichen.  

  • Vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke. 
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