„Es ist ein Traumjob“

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04.06.2026

Éric Dubois im Interview

Mit Éric Dubois haben die Eisbären Berlin ihren neuen Head Coach gefunden. Der Kanadier, dessen rechter Arm nach einer Schulter-OP aktuell noch in einer Schlinge liegt, war diese Woche erstmals in Berlin. Im Interview spricht unser neuer Cheftrainer über die ersten Tage an der neuen Wirkungsstätte und seine Denkweise als Trainer.

Herzlich willkommen in Berlin bei den Eisbären. Wie sind deine ersten Eindrücke?

  • Die ersten Eindrücke sind super. Die Eisbären sind eine sehr große Organisation und jeder arbeitet sehr professionell. Ich war ja bereits vor zwei Jahren einmal beim Trainingslager hier. Da hatte ich schon einen ersten Eindruck erhalten, wie professionell hier alles abläuft. Ich war damals schon davon beeindruckt, wie Riche (Anm. d. Red.: Stéphane Richer) und das gesamte Trainerteam zusammengearbeitet haben. Die Eisbären sind Deutschlands Top-Organisation im Eishockey. 

Du hast es gerade erwähnt. Vor zwei Jahren warst du schon bei uns im Trainingslager dabei. Wie kam es damals dazu?

  • Ich war neun Jahre in der Organisation der Winnipeg Jets und war Assistant Coach der Manitoba Moose (Anm. d. Red.: AHL-Farmteam der Jets). In dieser Funktion habe ich auch regelmäßig an Trainer-Seminaren teilgenommen. Nach meinem achten Jahr dort, habe ich mich nach etwas Neuem umgeschaut und hatte Kontakt zu verschiedenen Organisationen in Europa. Ich wollte schauen, ob ich beispielsweise an einem Trainingslager teilnehmen kann. Einfach nur, um einmal etwas Anderes zu sehen. Gelegentlich braucht man eine neue Herausforderung, wenn man jahrelang das Gleiche macht. Die Eisbären haben mich dann zum Trainingslager eingeladen. Ich wollte mir gerne anschauen, wie sie arbeiten. Vor allem, nachdem sie zuvor gerade die Meisterschaft gewonnen hatten. So kam der erste Kontakt zu Stande.     

Was spricht dich an der neuen Aufgabe bei den Eisbären am meisten an?

  • Wer möchte bitte nicht für Berlin arbeiten? Es ist ein Traumjob. Die Eisbären haben so viele Titel in den letzten Jahren gewonnen. Ohne großartige Personen im Umfeld ist das aber natürlich unmöglich. Ohne ein großartiges Führungsteam hat man keinen Erfolg. Es ist toll, ab sofort mit solch einem Team zusammen zu arbeiten. Von Riche, der gesamten Organisation sowie Serge und dem gesamten Trainerteam wurde bei den Eisbären eine Kultur und Identität installiert. Solch eine Kultur funktioniert aber nicht, wenn die Spieler keine Zeit und Einsatz investieren. Ich weiß, dass wir eine starke Führung in unserer Kabine haben. In Berlin herrscht eine große Siegermentalität. Es geht darum, gemeinsam Erfolg zu haben. Man wäre glaube ich verrückt, wenn man nicht in dieser Organisation arbeiten möchte. Natürlich sind die Fußstapfen groß, die zu füllen sind. Ich würde aber niemals sagen, sie sind zu groß. Es ist eine großartige Möglichkeit für mich. Ich möchte hier mit diesen tollen Menschen arbeiten und Teil dieser Meister-Mentalität werden.   

Hattest du schon Kontakt zu einigen Spielern oder Trainern?

  • Ja, ich habe Yannick Veilleux im Welli getroffen und mit ihm gesprochen. Ich kannte ihn bereits etwas aus meiner Zeit in Manitoba. Nicht persönlich, aber in der AHL habe ich viele Jahre gegen ihn gecoacht. Wir hatten ein sehr nettes Gespräch.  Dann habe ich mich auch schon mit Korbinian Geibel ausgetauscht.  Zudem habe ich auch André Rankel, Danny Mawer und Tom Kanzock getroffen, die ich aber auch schon von meinem Besuch von vor zwei Jahren kannte.

Wie würdest du dich als Trainer beschreiben?

  • In verfolge die Philosophie, zuerst eine gute Kommunikation und Vertrauen zu etablieren.  Für mich beginnt alles mit der Kommunikation und der Beziehung mit meinen Spielern. Mein erster Fokus liegt immer darauf, eine gute Beziehung zu meinen Spielern aufzubauen. Vertrauen zwischen Spielern und Trainern ist elementar. Am Ende des Tages bin ich da, um ihnen zu helfen, ihre Bestleistung abzurufen. Das wird jedoch nicht gelingen, wenn man keine Verbindung aufbaut. Es geht also darum, eine Beziehung zwischen uns aufzubauen und einen Plan aufzustellen, wie wir einzeln und als Team erfolgreich sein werden. Wenn jeder Einzelne zur richtigen Zeit das Richtige tut, wird der Teamerfolg folgen. Ich bin streng, aber vor allem bin ich fair. Es gibt Dinge, die sind nicht verhandelbar. Beispielsweise das Arbeitsethos, mit dem du zu jedem Training kommst. Jeder verdient eine Chance, aber das Team steht aber über allem. Jeder muss sich seine Eiszeit und seine Rolle verdienen. 

In Berlin wird viel und oft vom Eisbären-Hockey gesprochen. Stéphane Richer hat auch immer betont, dass der neue Coach zu diesem Stil passen muss. Was macht das Eisbären-Hockey deiner Meinung nach aus?

  • Es ist sehr intensiv mit einem starken Forecheck. Als ich hierherkam, wusste ich, dass der Forecheck eine der Stärken des Teams ist. So bauen sie sehr viel Druck auf den Gegner aus. Dieser Stil spiegelt auch meine Persönlichkeit wider. Lasst uns nicht abwarten, sondern nach vorne gehen. Lasst uns das Tempo des Spiels diktieren. So bin ich und so habe ich auch immer mit meinen Spielern gearbeitet. Das macht auch das Eisbären-Hockey aus. Hohes Tempo, viel Druck, schnelle Konter.  Aber Titel gewinnst du nicht, ohne in der Verteidigung gut zu stehen. Das hat den Erfolg gebracht und daran werde ich nichts ändern. Ich werde mit den Spielern arbeiten, diese Identität beizubehalten.     

Womit kann ein Spieler dich begeistern?

  • Einfach mit harter Arbeit und wenn man ein guter Teamkamerad ist. Ich bete es immer vor, „sei ein guter Teamkamerad“. Hilf deinen Mitspielern und investiere Zeit und Arbeit. Der Rest folgt dann.   

Wie schaut dein Fahrplan bis zum Trainingsstart im August aus?

  • Meine Frau und ich werden am Freitag zurück nach Ingolstadt fahren. Am Montag fliegen wir dann zurück nach Kanada. Dort werde ich einige Zeit mit meiner Familie verbringen und meine Reha nach der Schulter-Operation fortsetzen. Im Sommer spiele ich eigentlich sehr gerne Golf, um gut abzuschalten. Das wird aber dieses Jahr mit meiner Schulter nicht funktionieren. Sonst komme ich gerne noch beim Kochen auf andere Gedanken, um einmal nicht an Hockey zu denken. Zu Hause werde ich dann unser Trainingslager vorbereiten. Ende Juli komme ich dann wieder nach Berlin zurück. Im August sind wir dann bereit, direkt loszulegen.    

Die letzte Saison war deine erste in Europa. Wo liegen die größten Unterschiede im europäischen und nordamerikanischen Hockey?

  • Natürlich ist die Eisfläche hier größer, aber das verändert das Spiel nicht großartig. Meiner Meinung nach ähneln sich das deutsche und nordamerikanische Eishockey sehr. Es wird sehr physisch mit Forecheck gespielt. Wir haben mit Ingolstadt in der CHL gegen finnische Teams gespielt, die treten beispielsweise deutlich defensiver auf. Den größten Unterschied zwischen Europa und Nordamerika sehe ich in den Kaderveränderungen währen der Spielzeit. In Nordamerika gibt es im Laufe der Saison immer Trades, oder Spieler wechseln zwischen den Teams innerhalb der Organisation. Der Druck ist für die Jungs hoch. Andernfalls wird man durch jemand anderen ersetzt. Das ist hier anders. Man wählt seine Spieler aus und stellt eine Mannschaft zusammen. Mit diesem Team arbeitet man dann, um die Spieler zu verbessern, damit sie die Bestleistung abrufen. Den größten Unterschied sehe ich daher in der mentalen Herausforderung. Auf dem Eis ist es dann aber ähnlich.  

Du hast mit Ingolstadt vergangene Saison viermal gegen die Eisbären gespielt. Wie hast Du Berlin als Gegner wahrgenommen? Wie hast du die Spiele gegen die Eisbären gesehen?

  • Ich erinnere mich noch gut an das erste Spiel (Anm. d. Red.: 3:0 Heimsieg am 5. Oktober 2025). Ihr hattet viele Verletzte. Im Startdrittel hatte sich dann auch noch Patrick Khodorenko verletzt. Ihr hattet also ein sehr kurzes Line Up. Wir waren mit Ingolstadt zu dieser Zeit sehr gut drauf. Das erste, was mir an den Eisbären auffiel, war, wie ruhig sie blieben, das Spiel zu managen. Im Schlussdrittel der Partie war es sehr knapp und wir haben in jedem Shift versucht, die Partie zu gewinnen. Zu Beginn des dritten Drittels habt ihr dann den zweiten Treffer erzielt und schlussendlich gewonnen. Ich habe unseren Spielern dann am nächsten Tag gesagt, dass Berlin weiß, wie man Spiele gewinnt. Sie waren bereit und wussten, worauf es ankam. Sie haben auf den richtigen Moment gewartet.  Das ist mir direkt aufgefallen. Ich dachte mir, da müssen wir hinkommen.

Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?

  • Wie schon erwähnt, ich gehe gerne golfen und koche sehr gerne. Sonst verbringe ich sehr gerne Zeit mit meiner Familie und Freunden. Während der Saison versucht man immer, in Kontakt zu bleiben. Das ist aber schwer, so ist der Sommer dafür die beste Zeit.  

Mit welchen drei Worten würden Dich Deine besten Freunde beschreiben?

  • Da müsstest du sie am besten fragen. (lacht) Ich denke, vor allem „Humor“ und „Loyalität“. Ich bin immer für meine Freunde und Familie erreichbar, wenn sie Hilfe brauchen. Dann habe ich gerne Spaß mit meinen Freunden. Mit der Frage hast du mich echt überrascht. Für den dritten Begriff musst du echt meine Freunde fragen. (lacht)

Vielen Dank für deine Zeit, Éric. Wir freuen uns schon auf den Trainingsstart und wünschen dir bis dahin einen schönen Sommer.

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