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30.10.2018

Gestatten, der Problemlöser: Kevin Poulin im Portrait.

Zwei DEL-Spiele, zwei Niederlagen, 5:8 Tore. Vier CHL-Spiele, vier Niederlagen, 9:18 Tore. Betrachtet man die ersten zweieinhalb Wochen der Saison 2018/19, kann man definitiv von einem schwierigen Start der Eisbären sprechen. 

Acht Siege in zehn Spielen, ein Gegentorschnitt von 1,77 bei einer Fangquote von 94,9 %, die Zahlen vom Eisbären-Neuzugang im Tor, Kevin Poulin hingegen, sprechen für sich. Seit der Ankunft des gebürtigen Kanadiers Mitte September geht es für die Eisbären, die zwischenzeitig die Rote Laterne innehatten, bergauf. Mit bärenstarken Leistungen wie zahlreichen Top-10-reifen Saves spielte er sich prompt in die Gunst der Fans. Nicht umsonst hallen Sprechchöre wie „Poulin, Poulin, Kevin Poulin“ in nahezu jedem Spiel mehrfach von den gefüllten Ränge der Mercedes-Benz Arena. Doch wer ist eigentlich dieser Kevin Poulin? Der „neue“ Eisbären-Goalie im Portrait.

Auf Empfehlung: Bruno Gervais lotst Poulin nach Berlin

Rund vier Monate verweilte der 28-Jährige im Sommer 2018 auf dem Free-Agent-Markt, ehe er ein neues Arbeitspapier unterzeichnete. In seiner vereinslosen Zeit hatte Poulin zwar einige Angebote, allerdings war das richtige nicht dabei – bis der Anruf aus Berlin kam. Ausschlaggebend für seine Entscheidung war der Rat eines guten Freundes, Bruno Gervais. Der ehemalige Eisbär (2015-2017) spielte zusammen mit Poulin bei den New York Islanders in der National Hockey League, beendete seine Karriere in der deutschen Hauptstadt und schwärmte von der Stadt, dem Verein und den Fans. Und damit sollte Gervais Recht haben.

“Wenn wir ein Heimspiel in der Mercedes-Benz Arena haben, herrscht einfach eine atemberaubende Atmosphäre. Ich habe bereits in der NHL und KHL gespielt und keine Halle, nicht mal die in Long Island (Anm. d. Red.: Nassau Veterans Memorial Coliseum, Multifunktionsarena der New York Islanders), konnte da mithalten. Die Fans sind so laut, feuern uns das gesamte Spiel an und es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein.“

Am 19. September 2018 unterschrieb Poulin dann bei den Eisbären einen Einjahresvertrag, trainierte bereits am Donnerstag mit und sollte den Folgetag gegen Bremerhaven zwischen den Pfosten stehen. Keine leichte Aufgabe, sowohl physisch als auch psychisch. Der Neuzugang musste sich über den Sommer selber fit halten, hatte kaum Eingewöhnungszeit und es lasteten die Hoffnungen vieler Fans auf seinen Schultern. 

„Ich habe im Sommer mit meinem Torwarttrainer in Montréal gearbeitet und vor meinem ersten Spiel in der DEL riet er mir, möglichst simpel zu spielen: Durchschnaufen, Augen auf den Puck, immer vor dem Schuss sein und alles wird gut gehen.“

Berlin fühlt sich wie zuhause an – Ich bin ein Berliner

Und so bestritt Kevin Poulin sein erstes DEL-Spiel am 21. September vor knapp 10.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena und führte die Eisbären mit einer souveränen Leistung zum ersten Saisonsieg. Doch selbst der routinierte Poulin, der in seiner Karriere bereits über 450 Spiele bestritten hatte, fühlte sich vor dem Auftakt etwas unsicher, da er seit geraumer Zeit nicht mehr gespielt hatte.

Nun ist etwas Zeit vergangen, Poulin hat sich eingelebt und fühlt sich mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern sehr wohl in seiner neuen Heimat. 

„Ich habe mich mit der Zeit an Großstädte gewöhnt – immenser Lärm und viel Stau. Für die Kinder ist es toll, es gibt viel zu unternehmen und die professionelle Organisation der Eisbären kümmert sich wirklich gut um einen. Ich vermisse zuhause nicht, Berlin fühlt sich für mich wie zuhause an.“

Diese Zuneigung brachte er auch auf seiner neuen Maske, die gegen Ingolstadt eingeweiht wurde, zum Ausdruck. Der historisch geprägte Spruch „Ich bin ein Berliner“ von John F. Kennedy ziert nun die Rückseite des Helms von Poulin. 

 „Ich bin jetzt in Berlin und freue mich riesig dabei zu sein. Ich will ein Teil der Mannschaft, der Stadt, der Fans sein. Eishockey macht viel mehr aus als der Sport selbst. Es geht um die Freude, die man den Menschen bereiten will.“

Ist die Gravierung ein Commitment für die Zukunft? Wie geht es nach der Saison 2018/19 weiter? 

„Bislang habe ich mich mit noch niemandem über die nächste Saison unterhalten. Ich habe davon gehört, dass die Eisbären die Vertragsgespräche ziemlich früh führen, aber bis jetzt gab es noch keine Unterhaltung über die kommenden Jahre.“

Der 1,88 Meter große Torwart will sich sowieso lieber auf das Hier und Jetzt fokussieren. 

„Ich denke von Spiel zu Spiel. Man sollte nicht zu weit vorausdenken, sonst kommt man am Ende noch von seinem Weg ab. Ich sehe jedes Spiel als neue Herausforderung. Natürlich will man zunächst die meisten Punkte holen, es dann in die Playoffs schaffen und letztlich die Meisterschaft gewinnen, aber bis dahin kann noch so viel passieren.“

Viele Spieler prägen durch einen ruhmreichen Werdegang eine Nummer wie einst Wayne Gretzky. Das Trikot des vierfachen Stanley-Cup-Siegers mit der #99 wurde nicht nur unter das Hallendach eines Vereins gezogen, wie es bei Ikonen üblich ist, sondern gar von der NHL für den gesamten zukünftigen Ligabetrieb gesperrt. Das Ziel nach dem Draft die ungewöhnliche Nummer 60 zu prägen und für sich zu beanspruchen, verfolgte auch er. Im Laufe der Jahre wechselte seine Rückennummer jedoch mit nahezu jeder neuen Mannschaft. So trug er bereits die #38 (Bridgeport Sound Tigers, Farmteam der New York Islanders), #35 (Tampa Bay Lightning), #39 (Stockton Heat, Farmteam der Calgary Flames), #90 (Barys Astana, KHL), #30 (Medvescak Zagreb, EBEL) sowie die Nummer 31 (EHC Kloten sowie Team Canada bei den Olympischen Spielen 2018). Ursprünglich hatte Poulin geplant, weiterhin mit der Trikotnummer 31 zu spielen, allerdings war diese in Berlin nicht verfügbar. Somit entschied sich der Frankokanadier für die 40, welche die Summe der Geburtstage seiner beiden Söhne ist und zudem die Nummer seiner ersten zwei Jahre Junior Hockey war. 

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Kein Platz für Fehler

Wann und wie begann eigentlich die Karriere des Kevin Poulin? Dafür muss man den Zeiger der Uhr etwas zurückstellen: Mit dem bürgerlichen Namen Kevin Bureau-Poulin erblickte er am 12. April 1990 in Montreal, Québec das Licht der Welt. Zweit- oder Drittnamen sind für viele ein ungewolltes Anhängsel, doch den 28-Jährigen stört das nicht weiter. Den zweiten Nachnamen, der in Montreal üblich ist, erhielt der Kanadier von mütterlicher Seite. Allerdings kam beziehungsweise kommt die Kombination Bureau-Poulin seltenst zum Einsatz: „Bureau benutzten sie in der Schule, Poulin im Eishockey.“

In der Eishockeynation Kanada ist es keine Seltenheit, dass Kinder sich für Schlittschuhe statt Fußballschuhe entscheiden. Seine ersten Schritte auf dem Eis absolvierte er im Alter von vier Jahren im Hinterhof seines Elternhauses in Montréal, wo sein Vater eine Eisfläche entstehen ließ. Gestartet als Verteidiger zeigte Poulin bereits früh Interesse an der Torhüterposition und entschloss sich schließlich mit zehn Jahren, diese zu bekleiden. Mit diesem Schritt entschied sich Poulin für die potenziell schwierigste Position im Eishockey. 

„Wenn man schlecht spielt, ist man der Buhmann, wenn man wiederum gut spielt der gefeierte Held. Es gibt da kein Zwischending. Es ist – mental gesehen – eine harte Position, nicht aufgrund des Drucks, sondern deshalb, weil man sich keine Fehler erlauben darf.“

Auf den Spuren von Kölzig

Pou, wie ihn seine französischsprachigen Teamkollegen nennen, wuchs in der Zeit des legendären Dominik Hasek auf. Der Tscheche prägte mit seinem außergewöhnlichen Spielstil die 90er Jahre in der NHL und wurde neben weiteren Größen der NHL-Geschichte wie dem deutschen Olaf Kölzig, der übrigens auch die Nummer 40 für die Eisbären trug und Teil des Meister-Teams 20005 war, Patrick Roy sowie José Théodore prompt zum Idol für den jungen Poulin. Im Laufe der Jahre inspirierten Poulin eher andere Torhüter, als wirklich ein Idol zu haben. Hinsichtlich der Herausbildung seines eigenen Stils orientierte er sich am langjährigen Panthers-Goalie Roberto Luongo. 

Mit Willenskraft zurück zu 100 Prozent

So nahm die Karriere des Kevin Poulin seinen Lauf und erreichte mit dem NHL Entry Draft 2008 einen ihrer Höhepunkte. Die Rechte an Poulin sicherten sich die New York Islanders und wählten den damals 18-Jährigen an 126. Stelle in der fünften Runde aus. Zunächst spielte der gebürtige Kanadier aber weiter in der Juniorenliga QMJHL bei den Victoriaville Tigres, für die er seit der Spielzeit 2006/07 im Einsatz war. Vier Jahre später war es dann an der Zeit und Poulin trat der Organisation der Islanders bei. In die Saison 2010/11 startete er allerdings mit dem Farmteam des NHL-Klubs, den Bridgeport Sound Tigers. In der AHL zeigte Poulin starke Leistungen, machte dadurch auf sich aufmerksam und wurde schließlich nach dem Abgang von Dwayne Roloson gen Tampa sowie der Verletzung von Rick DiPietro in die Mannschaft des New Yorker Eishockey-Franchises berufen. Am 6. Januar 2011 war es dann so weit, Poulin gab sein Debüt für die New York Islanders. Starting-Goalie Nathan Lawson ließ gegen die Edmonton Oilers von drei Schüssen zwei passieren und wurde bereits nach fünf Minuten ausgewechselt.

„Ich war so nervös wie noch nie zuvor, aber es ist alles gut gegangen.“

Poulin stapelt ziemlich tief. Der Kanadier absolvierte die restlichen 55 Minuten gegen die Oilers, hielt sein Tor sauber und verbuchte somit in seiner ersten NHL-Partie seinen ersten Shutout. Allerdings reichte es nicht für den Sieg und die Islanders unterlagen trotzdem mit 1:2. Zwei Tage später durfte er dann dank seiner souveränen Leistung in Colorado starten – und fuhr beim 4:3-Sieg nach Overtime bei den Avalanche seinen ersten NHL-Sieg ein. Fortan zeigte Poulin sowohl in der höchsten Spielklasse Amerikas als auch in der AHL gute Leistungen, erlitt aber rund einen Monat nach seinem NHL-Debüt einen Schicksalsschlag und verletzte sich am Knie. Die Verletzung setzte den Kanadier für den Rest der Saison außer Gefecht. Die Islanders schickten Poulin daraufhin zu Scott Livingston (Anm. d. Red.: Performance Coach und Therapeut), der ihn auf dem Weg zurück trainierte, unterstützte und konstant motivierte.

 „Er war die Quelle meiner Motivation und brachte mich wieder auf mein vorheriges Level.“ 

Dieses besagte Level erreichte Poulin nach einer rund eineinhalb Jahre andauernden Genesungsphase wieder. Doch den Islanders standen zu dieser Zeit mit Al Montoya, Evgeni Nabokov und Rick DiPietro bereits drei etablierte Goalies zur Verfügung. Trotz dieser Umstände brachte es Poulin in der Saison 2011/12 zu sechs NHL-Einsätzen von Beginn an. In den folgenden Saisons zeigte der Kanadier für die Organisation der Islanders in der NHL wie AHL und auch später in der KHL und EBEL konstant solide Leistungen. Durch diese machte Poulin auf sich aufmerksam und wurde 2017 erstmals für die kanadische Nationalmannschaft im Rahmen des Spengler Cups nominiert. Diesen gewannen die Ahornblätter auch – und das nicht zuletzt auch wegen Schlussmann Poulin, der mit einer Fangquote von 97,1 % einen großen Beitrag zum Erfolg leistete. Das gewonnene Turnier war quasi ein Empfehlungsschreiben für den 28-Jährigen, der im Jahr darauf das Tor von Team Canada bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang hüten durfte. Jedoch reichte es in seinem zweiten internationalen Wettbewerb lediglich für Bronze, nachdem man der Mannschaft der Stunde, Deutschland, im Halbfinale mit 2:3 unterlag.

Nach kurzen Zwischenstopps bei Tampa Bay Lightning, Syracuse Crunch, Stockton Heat (alle drei 2015/16), den Laval Prédateurs, Barys Astana (beide 2016/17), Medvescak Zagreb sowie dem EHC Kloten (beide 2017/18) landete Poulin nun also bei den Eisbären Berlin. 

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Über Passstafetten mit dem Goalie

Wer Kevin Poulin über einen gewissen Zeitraum betrachtet, dem wird relativ schnell offenbart, was seine Person ausmacht – sowohl auf als auch neben dem Eis. 

Das aktive Spiel mit der Scheibe in Kombination mit so einer herausragenden Schlägerarbeit beherrscht kaum ein anderer Torwart in der DEL. Spektakuläre Rettungstaten mit dem Schläger, ein blitzschneller Spielaufbau und wie es einige Male schon zu sehen war: Anspielpartner für seine Verteidiger. All das ist im Repertoire des 28-Jährigen verankert – und er lässt alles weitaus leichter aussehen, als es in Wirklichkeit ist. Der Kanadier entdeckte das stark ausgeprägte Spiel mit der Scheibe erst in Europa. 

„Auf der kleineren Eisfläche zuhause war ich nicht so gut, was das aktive Spiel mit der Scheibe anging. In Europa hat man durch die größere Fläche wesentlich mehr Zeit und es hilft der Mannschaft ungemein, da man unter anderem vermehrt Konter erzwingen kann.“

Das Adjektiv unnachgiebig beschreibt den On-Ice-Poulin ziemlich genau. Jede Scheibe im Training wird mit vollem Einsatz bis zum bitteren Ende gespielt, jede Sekunde Eiszeit wird für Laufwege ausgenutzt, bis ihn die Zamboni vom Eis jagt. Dadurch verzweifelt auch mal der ein oder andere Stürmer, denn auch im Training muss Poulin nicht allzu oft den Puck aus dem Netz holen – und strahlt in allem, was er tut, eine unfassbare Leichtigkeit und Souveränität aus. 

Abseits des Eises ist Kevin ein ziemlich ruhiger und anspruchsloser Typ, der gerne Zeit mit seiner Familie verbringt und nicht allzu viel Routine verträgt. Der Frankokanadier ist ein großer Wein-Liebhaber, doch ein wirkliches Ritual vor und nach Spielen hat er nicht, denn er möchte lieber mit dem Flow gehen, als sich strikt an bestimmte Riten zu halten. 

Im Gegensatz zum Zivilleben wird Poulin auf dem Eis das ein oder andere Mal etwas lauter. 

„Manchmal kann es sein, dass ich nach einer Niederlage meine Ruhe brauche und genervt bin – besonders auch, wenn ich mal schlecht gespielt habe. Aber ich versuche trotzdem nicht zu hart mit mir ins Gericht zu gehen. Man kann nicht jedes Spiel gewinnen.“

Man kann zwar nicht jedes Spiel gewinnen, aber wie die bisherige Poulin-Bilanz zeigt, eine Vielzahl. Der Problemlöser wurde in kurzer Zeit zum Erfolgsgaranten. Doch ob die Nummer 40 auch zum Titelhelden avancieren kann und die Eisbären zum ersten Meistertitel seit 2013 führt, bleibt abzuwarten. Aber eins ist bereits jetzt klar: Kevin Poulin ist sowohl spielerisch als auch menschlich eine Bereicherung für die Eisbären Berlin. 

Paul Heiber

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