Die Berliner Energie | GASAG

Mein erstes Mal – Nummer 22

Jiri Fünfzehn (ursprünglich erschienen im Herbst 2003)

Die guten Seiten des Kapitalismus

Ersten wirklich bewussten Kontakt zum Eishockey hatte ich im Jahre 1983, als die Welttitelkämpfe in der BRD stattfanden. Allerdings war dieser Kontakt nur televisionär über unseren neuerworbenen RADUGA- Buntfernseher möglich. Angetan hatte es mir aber nicht nur der Kufensport an sich, sondern auch und vor allem bewunderte ich die schön bunten Jerseys der ostdeutschen Nationalmannschaft. Als notorischer Fan von unterprivilegierten Mannschaften und Vereinen (u. a. verbrachte ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Kindheit und Jugend in einem relativ heruntergekommenen Fußballstadion in Köpenick, obwohl der von manchen so genannte “Glorreiche” gleich bei mir um die Ecke seine durch Zehnjahresplan legitimierte Meisterserie in die Tat umsetzte), hielt ich natürlich aus Prinzip zum Team meines damals schon nicht mehr gar so sehr geliebten Heimatlandes. Als dann auch noch Bielke, Peters, Kuhnke und Co. eine überragende Weltmeisterschaft spielten und sensationell den 6. Platz belegten, war eine neue Sportleidenschaft geboren. Unter anderem unterlag man nur äußerst knapp dem ungeliebten Stiefbruder von jenseits des eisernen Vorhangs mit 3:4.
Enttäuschend war dann allerdings für mich der realsozialistische Alltag in Mielkes Privatliga mit, zumindest in Berlin, wenigen und sehr ruhigen Zuschauern. Also verschwendete ich meine Jugend weiterhin bei der Paternoster-Mannschaft aus Südostberlin.

Nach Anschluss der kleinen ehemaligen Sowjetischen Besatzungs Zone an die größere Bundesrepublik gab es dann ja endlich auch andere, ständige und anständigere Gegner als den alten Dauerrivalen aus Whitewater. Diese ersten Jahre der postsozialistischen Ära verfolgte ich dann eher aus der Ferne, da ich noch mit dem Verprassen meines Begrüßungsgeldes voll ausgelastet war. Aber irgendwann war auch dieses ausgegeben, sodass ich mich wieder ehrlicher Arbeit zuwenden musste.
Nachdem mich mein bester Freund Tomba zufällig mit zu den Dynamos schliff, erwachte meine alte Eishockeyliebe aufs neue zum Leben. Jetzt war sogar richtig Leben in der Halle. Kein Vergleich mit der leicht prolligen Atmosphäre auf den Rängen, wie ich sie bisher vom Fußball kannte. Lautstark und kreativ, selbst Ironie war hier nicht unbekannt. Dopita und Kollegen wussten an diesem Abend nicht wirklich zu begeistern. Aber dies störte mich herzlich wenig, da mich der dynamische Virus schon am Schlafittchen gepackt hatte. Ich ahnte, dass ich in Zukunft wahrscheinlich des öfteren mein Geld hier hin tragen würde, in der sehr optimistischen Hoffnung doch einmal einen Sieg zu sehen.

Als glückliche Fügung stellte sich hierbei mein arbeitstechnischer Werdegang heraus. Ich hatte zu dieser Zeit meine großkapitalistische Phase und war ernsthaft der Meinung, in nicht all zu ferner Zukunft, ein ambulantes Süßspeisen und Puffmaisimperium aufbauen zu können. Auf der Suche nach attraktiven Verkaufsstandorten ergab es sich, dass ich beim Stadionfest des EHC landete und Popcorn verkaufte. Da lag es nahe das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und auch in der Saison die Fans mit diesen, für sie neuartigen, Getreidesnacks zu versorgen. Hilfreich war dabei sicherlich das Kompetenzwirrwarr im Cateringbereich in den Vor-ARAMAK-Zeiten. So kam es, dass ich mit Dieter Waschitowitz einig wurde, und kostenlos, abgesehen von der unverschämten Standmiete (schnell gelernt), die Heimspiele verfolgen konnte. Wie sich herausstellen sollte, überwog bald mein sportliches mein wirtschaftliches Interesse. So hatte im Endeffekt mein Ausflug in die Marktwirtschaft sein Gutes. Mit dem süßen Imperium wurde es zwar nix, dafür hatte ich jetzt mehr Zeit für das wirklich Wichtige im Leben, Eishockey.

Jiri #15 ist mitverantwortlich für die Sektion Red Star Catering bei Roter Stern Eisbären.

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